Markenfarben finden: Eine Palette mit System

Wie aus Lieblingsfarben eine Palette wird, in der jede Farbe eine Aufgabe hat – von der ersten Frage, über Tipp zu jeder Konzeptphase bis zu den fertigen Farbwerten für Web und Druck.

Du arbeitest selbst an deinem Auftritt? Wenn Farben, Dateien oder Druck an einer Stelle haken, schaue ich einmal drauf. Und wenn daraus eine ganze Marke werden soll, kommen Strategie, Design und Umsetzung aus einer Hand.

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7 Min. Lesezeit

Von der Lieblingsfarbe zur Palette mit Rollen

Lieblingsfarben sind ein schöner Startpunkt. Zur Marke werden sie, sobald jede Farbe eine Aufgabe bekommt. Dieser Ratgeber zeigt, wie du Markenfarben finden kannst, die auf der Website, im Feed und auf der Visitenkarte gleich gut funktionieren.

Kurz gesagt

  • Erst Werte und Zielgruppe klären, dann Farben wählen.
  • Jede Farbe bekommt eine Rolle: Fläche, Text, Akzent.
  • Kontraste prüfen, Farbwerte für Web und Druck sichern.

Was Farbe für deine Marke leistet

Markenfarben finden heißt zuerst, ihre Aufgaben zu kennen. Farbe übernimmt in einem Markenauftritt drei davon, und alle drei lassen sich planen.

Wiedererkennung

Farbe wird oft schneller erfasst als Logo oder Name. Wer seine Töne konsequent einsetzt, ist im Feed erkennbar, bevor jemand liest.

Stimmung

Warme, gedeckte Töne wirken anders als kühle, kräftige. So setzt die Palette den Ton, noch bevor ein Satz gelesen ist.

Orientierung

Mit einer festen Handlungsfarbe siehst du sofort, wo es weitergeht. Das Auge lernt sie nach wenigen Seiten.

Gerade die dritte Aufgabe wird gern übersehen. Dabei macht sie einen Auftritt spürbar leichter zu bedienen – und das merken Besucher:innen, auch wenn sie es nicht benennen.

Markenfarben finden beginnt mit Fragen

Der Farbwähler kommt erst später. Vorher stehen ein paar Fragen, deren Antworten den Rahmen vorgeben, in dem sich die Auswahl bewegt.

Wofür stehst du?

Drei Adjektive, die deine Marke beschreiben sollen. Ruhig und fundiert führt zu anderen Tönen als laut und verspielt.

Wen sprichst du an?

Menschen aus dem Handwerk lesen Farben anders als eine Kreativszene. Maßgeblich ist ihr Blick, nicht deiner.

Wo erscheinst du?

Website, Instagram, Schild, Briefpapier: Jeder Ort stellt eigene Anforderungen. Eine Palette muss auf allen bestehen.

Hilfreich ist außerdem ein Blick auf den Wettbewerb. Wenn alle Physiotherapiepraxen in deiner Stadt Blau und Weiß nutzen, liegt darin eine Chance: Ein anderer Grundton macht dich unterscheidbar, ohne dass du laut werden musst.

Existiert schon ein Logo, ist es der naheliegende Anker. Seine Farbe muss nicht die Handlungsfarbe werden, aber alle anderen Töne sollten sich neben ihr wohlfühlen. Umgekehrt ist ein neuer Farbauftritt ein guter Anlass, das Zeichen selbst einmal kritisch anzusehen.

Farbwirkung: was stimmt und was nicht

Rund um Farbpsychologie kursieren viele feste Regeln. Manche haben einen wahren Kern, fast alle hängen stark vom Zusammenhang ab.

„Blau wirkt seriös“

Häufig ja – deshalb nutzen es so viele. Was Vertrauen stiftet, macht es zugleich schwerer, aufzufallen.

„Rot verkauft“

Rot zieht Aufmerksamkeit, trägt aber auch Warnung und Dringlichkeit. Als Akzent stark, als Fläche schnell anstrengend.

„Grün heißt nachhaltig“

Diese Verbindung ist so gelernt, dass Grün allein kaum noch etwas über die Haltung dahinter verrät.

Farbwirkung ist außerdem kulturell geprägt, und sie entsteht fast nie aus einem Ton allein. Ein Rot neben Creme und Dunkelbraun wirkt warm und handwerklich, dasselbe Rot neben Schwarz und Neongelb laut.

Es gibt hier kein Richtig. Beim Markenfarben finden zählt nur, ob die Kombination zu den drei Adjektiven aus dem vorigen Kapitel passt.

Eine Palette ist erst fertig, wenn jede Farbe weiß, wofür sie da ist.

Die Palette aufbauen: Rollen statt Töne

Aus der Vorauswahl wird eine Palette, sobald jede Farbe eine feste Aufgabe übernimmt. Sechs Rollen decken die meisten Marken ab, nicht jede muss besetzt sein.

Grundton

Das ist die Fläche, auf der alles steht. Meist hell und zurückhaltend – er nimmt den größten Teil ein und trägt die Stimmung.

Textfarbe

Sehr dunkel, für Überschriften und Fließtext. Warmes Dunkelbraun oder Anthrazit wirkt weicher als reines Schwarz.

Handlungsfarbe

Kräftig und reserviert für Buttons, Links und Hinweise. Je seltener sie sonst vorkommt, desto klarer führt sie.

Akzent

Zweiter Ton für Betonungen: ein kursives Wort, ein Zitat, ein ausgewähltes Modul. Sparsam gesetzt bleibt er besonders.

Zwischentöne

Aufgehellte oder abgedunkelte Varianten für Trennlinien, Karten und Übergänge. Sie verbinden die Hauptfarben.

Neutralton

Gedämpftes Grau oder Graubraun für Beschriftungen, Datum und Meta-Angaben – lesbar, aber leiser als der Text.

Als grobe Orientierung für die Verteilung dient die 60-30-10-Regel: etwa sechzig Prozent Grundton, dreißig Prozent Text und Zwischentöne, zehn Prozent Akzente. Sie ist ein Ausgangspunkt, keine Vorschrift. Zurückhaltende Marken kommen oft mit deutlich weniger Farbe aus.

Bei branding.niiise sieht das so aus: Creme als Grundton, Espresso für Text, Sienna für jede Handlung, Wald als Akzent in kursiven Überschriften, Sand für Übergänge und Stone für Beschriftungen. Wald taucht nie als Button auf – sonst gäbe es zwei Farben, die „hier klicken“ sagen.

Gut zu wissen

Vier bis sechs Töne reichen fast immer. Wer mehr zu brauchen glaubt, braucht meist klarere Rollen statt zusätzlicher Farben.

Kontraste prüfen

Auf dem Moodboard kann eine Palette wunderbar aussehen und auf dem Handy in der Sonne trotzdem schwer lesbar sein. Zum Glück lässt sich der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund messen.

Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) nennen dafür Mindestwerte: 4,5 : 1 für normalen Text, 3 : 1 für große Schrift sowie für Bedienelemente wie Button-Kanten oder Eingabefelder. Kostenlose Kontrastrechner zeigen den Wert, sobald du zwei Farbcodes eingibst.

Text auf Grundton

Hier liegt die wichtigste Paarung. Mit einem sehr dunklen Textton liegt sie meist weit über 7 : 1 und damit auf der sicheren Seite.

Schrift im Button

Meist die knappste Stelle. Helle Schrift auf einer mittleren Handlungsfarbe landet schnell um 4,5 : 1 – hier lohnt der genaue Wert.

Farbe als Textfarbe

Links in der Handlungsfarbe oder Wörter im Akzentton müssen dieselben 4,5 : 1 schaffen wie der übrige Text.

Gut zu wissen

Kleine Unterschiede entscheiden. In der Palette von branding.niiise erreicht Sienna auf Creme Light 4,52 : 1 und besteht knapp, Sand auf Wald kommt nur auf 3,5 : 1. Deshalb steht auf Wald-Flächen immer Creme Light als Schrift.

Seit Mitte 2025 ist Barrierefreiheit für einen Teil der Online-Angebote auch gesetzlich geregelt. Unabhängig davon profitieren alle von gut lesbaren Farben – Menschen mit Sehschwäche genauso wie alle, die unterwegs auf ein spiegelndes Display schauen.

Farbwerte festhalten und testen

Jede Farbe hat nicht einen Code, sondern mehrere – je nachdem, wo sie erscheint. Wer die Werte einmal sauber festhält, bekommt überall denselben Ton.

HEX und RGB

Zuständig für alles auf dem Bildschirm: Website, Social Media, Präsentationen. HEX ist die kurze Schreibweise, etwa #B8593D.

CMYK

Gedacht für den Druck im Vierfarbverfahren. Der Wert wird nicht bloß umgerechnet, sondern auf Papier geprüft und angepasst.

Pantone oder HKS

Sonderfarben für Druck, bei dem der Ton exakt sitzen muss – etwa bei Schildern, Textilien oder großen Auflagen.

Leuchtende Bildschirmfarben lassen sich nicht immer eins zu eins drucken. Kräftige Orange-, Grün- und Blautöne verlieren im CMYK-Druck oft an Strahlkraft. Ein Probedruck vor der ersten großen Auflage zeigt, wie der Ton auf dem gewählten Papier wirkt.

Zum Schluss gehört die Palette in echte Anwendungen: eine Startseite, ein Instagram-Post, eine Visitenkarte, eine Mail-Signatur. Erst dort zeigt sich, ob die Handlungsfarbe führt, ob der Grundton trägt und ob die Töne auch in Graustufen noch unterscheidbar sind.

Wer Markenfarben finden und dauerhaft halten will, legt alle Werte an einem Ort ab, zusammen mit Logo, Schriften und Anwendungsbeispielen – das ist der Kern eines Styleguides. Falls dein Zeichen per KI entstanden ist, steht im Beitrag Logo mit KI erstellen, welche Dateien dazugehören.

Welche Dateien zum Logo gehören, zeigt der Beitrag Logo-Dateiformate. Und wie Farben, Logo und Schrift zusammen ein Erscheinungsbild ergeben, erklärt der Überblick Corporate Design erstellen.

Farben, die zu dir passen

Du möchtest deine Markenfarben finden, ohne dich durch Farbrechner zu klicken? Ich entwickle mit dir eine Palette mit klaren Rollen, geprüften Kontrasten und allen Farbwerten für Web und Druck – als Teil deines Brandings. Beispiele siehst du im Portfolio.

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